#writingfriday

Bei Elizzy
Foto: wdr

Ich habe mir mal dieses vorgenommen:
Du erwachst in einer Villa im 19. Jahrhundert Londons – wie sieht dein Tag aus?

Die Sonne schien durch die Samtvorhänge des Zimmerfensters und wärmte das Kissen, auf dem ich lag. Gähnen, strecken und den Tag langsam angehen lassen.
Die Köchin hatte sicher schon Tee und Frühstück gerichtet, sodass ich mich nur anziehen und hinunter in den Salon gehen musste. Als privilegierte Adlige erledigten andere die Arbeit für mich. Ich würde heute einen Spaziergang durch London machen – der Chauffeur konnte mich bis zur Tower Bridge fahren. Am Ufer der Themse galt es, zu flanieren und später ein kleines Mittagessen bei Lady Hamfield, einer Freundin der Familie, einzunehmen.
Zum 5 Uhr Tee würde der Musiker, der mir Klavier beibringen sollte, zum Unterricht kommen.
Das Abendessen wurde immer gemeinsam im Familienkreis eingenommen und dabei die Neuigkeiten des Tages besprochen. Die Kleiderordnung für die verschiedenen Anlässe musste eingehalten werden und deshalb verabredete ich mich mit der Schneiderin für den nächsten Tag.

Arbeitersiedlung

In Londons Straßen tobte inzwischen der Lebenskampf. Das industrielle Zeitalter forderte vielen Arbeitern ihre Lebenskraft ab. Aufnahmen und Zeichnungen aus dieser Zeit zeigen ausgemergelte, arme Menschen, die in Hinterhöfen ihr kärgliches Dasein fristen. Das war die andere Seite des Viktorianischen Zeitalters, in dem Großbritannien wirtschaftlich profitierte. Die Auswanderung  insbesondere der hungernden Iren beruhte auf der Hoffnung auf ein besseres Leben in Amerika. Insgesamt wanderten mehr als 7 Millionen Menschen in dieser Zeit aus. Die Kindersterblichkeit gerade in den Städten war hoch und der Hygienestandard sehr niedrig.
Das Leben der Adligen veränderte sich kaum, denn der Grundbesitz garantierte ihnen einen guten Lebensstandard. Der englische Imperialismus brachte Rohstoffe und Güter aus aller Welt, um die englische Lebensart der Privilegierten zu sichern.

In dieser Zeit hätte ich in London all das Elend nicht ignorieren können. Ich hoffe doch, dass ich mich um soziale Belange gekümmert und eine Wohlfahrtsorganisation zumindest finanziell unterstützt hätte.

2 Antworten zu “#writingfriday”

  1. Jahaa – genau deswegen habe ich das angefügt.
    Als Adlige lebst du mehr als gut, während die Arbeiter langsam zugrunde gehen. Ich bin keine Sozialistin, aber die Zustände damals waren furchtbar. Einmal in Armut geboren, konnte eine Familie nur schuften, um zu überleben und kam nie auf einen grünen Zweig …

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: